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Nov 26

Wahrheit, Leben, Worte

Stimme ganz allein in diesem Ich beschlossen ist: dass sie also den Weg wählt, die Wahrheit erkennt, das Leben lebt, durch die Türe geht, die ganz allein Jesus Christus selber ist. Wiederum nicht in eigener Vollmacht, nicht in Ausführung eines eigenen Sicherungsprogramms, sondern auf Grund der Notwendigkeit, in der Jesus Christus selbst gesagt hat, dass niemand zum Vater komme denn durch ihn, dass jedes Vorbeigehen an ihm Diebstahl und Mord bedeute, vollzieht dann die Kirche auch die Exklusive, spricht sie ihr Nein zu allem, was außer ihm Weg, Wahrheit, Leben, Türe sein möchte. Das Nein hat keine selbständige Bedeutung. Es hängt ganz an dem Ja. Es kann nur laut werden, indem das Ja laut wird. Aber in und mit dem Ja wird es laut, muss es laut werden. Darum geht denn auch im Folgenden der positive Satz voraus, und darum kann der nachfolgende kritische Satz nur als dessen Umkehrung und unzweideutige Klarstellung verstanden werden. Die Kirche lebt davon, dass sie ein Wort Gottes hört, dem sie ganzes Vertrauen und ganzen Gehorsam schenken darf, und das im Leben und im Sterben, d. h. in der Zuversicht, in solchem Vertrauen und Gehorsam für Zeit und Ewigkeit wohl aufgehoben zu sein. Eben weil sie zugelassen und eingeladen ist zu ganzem Vertrauen und Gehorsam, weiß sie, dass das gesagte Wort das eine Wort Gottes ist, durch das sie gebunden, in dem sie aber auch frei ist, neben dessen Evangelium es kein fremdes Gesetz und neben dessen Gesetz es kein fremdes Evangelium gibt, neben oder hinter oder über dem wir keine andere Gewalt als Weg, Wahrheit, Leben und Türe zu ehren und zu fürchten haben. Und dieses eine Wort ist nicht erst zu finden, sondern es hat sich schon zu finden gegeben: in dem, der die Macht und das Recht hat, sich selbst den Weg, die Wahrheit, das Leben, die Tür zu nennen, weil er das alles ist.

Dieses eine Wort heißt Jesus Christus von Ewigkeit her und in alle Ewigkeit. So ist es bezeugt in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testamentes. So hat es die Kirche begründet; so erhält, erneuert und regiert, so rettet es immer wieder die Kirche. So ist es ihr Trost und Weisung im Leben und im Sterben. So und nicht anders! Von diesem „nicht anders“ redet der abschließende kritische Satz. Man bemerke, dass er die Existenz anderer Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten neben jenem einen Worte Gottes nicht in Abrede stellt, dass er also auch die Möglichkeit einer natürlichen Theologie als solche durchaus nicht leugnet. Er setzt vielmehr voraus, dass es das alles gibt. Er leugnet aber, er bezeichnet als falsche Lehre die Behauptung, dass das alles Quelle der kirchlichen Verkündigung, eine zweite Quelle neben und außer jenem einen Worte Gottes werden könne. Er schließt die natürliche Theologie von der kirchlichen Verkündigung aus. Nicht in der Meinung und Absicht, sie in sich und als solche zu verwerfen, wohl aber in der Meinung und Absicht, dass sie neben und außer dem Worte Gottes, wenn es darauf ankommt, zu sagen, wem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben, keinen Sinn und Bestand haben kann. Als Gottes Offenbarung, als Norm und Inhalt der im Namen Gottes auszurichtenden Botschaft, können die Größen, auf die die natürliche Theologie sich zu beziehen pflegt, was sie auch im übrigen sein und bedeuten mögen, nicht in Betracht kommen. Wenn die Kirche Gottes Offenbarung verkündigt, dann redet sie nicht auf Grund einer noch so tiefen und gläubigen Schau der Wirklichkeit der Welt und des Menschen, dann existiert sie nicht jene Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten, dann liest und erklärt sie, gebunden an ihren Auftrag und freigemacht durch die damit empfangene Verheißung, das Wort, das Jesus Christus heißt, und darum das Buch, das von ihm zeugt. Sie ist und sie bleibt dankbar für die Erkennbarkeit Gottes, in der er sich selber uns gegeben hat, indem er uns seinen Sohn gab.